Die Geschichte der Klimaforschung: Wie wir die Erwärmung entdeckten
Viele Menschen glauben, dass der Klimawandel ein Thema der modernen Zeit ist, das erst in den letzten Jahrzehnten aufgekommen ist. Tatsächlich aber blickt die Wissenschaft auf eine über 170-jährige Geschichte zurück. In diesem zweiten Teil unserer Serie untersuchen wir die Pioniere, die den Treibhauseffekt entdeckten, und warum es so lange dauerte, bis die Weltgemeinschaft den Ernst der Lage erkannte. Basierend auf Mark Maslins Analysen zeigen wir den Weg von einer gewagten Theorie zur wissenschaftlichen Gewissheit.
1. Die Geburtsstunde: Eunice Foote und John Tyndall (1850er Jahre)
Alles begann im Jahr 1856, als die amerikanische Forscherin Eunice Newton Foote ein bahnbrechendes Experiment durchführte. Mit Glaszylindern und Thermometern bewies sie, dass Kohlendioxid (CO2) Sonnenwärme deutlich stärker speichert als gewöhnliche Luft. Sie prophezeite bereits damals, dass eine Atmosphäre mit mehr CO2 zu einer wärmeren Erde führen würde.
Nur drei Jahre später, im Jahr 1859, bewies der irische Physiker John Tyndall unabhängig davon, dass Wasserdampf und CO2 Infrarotstrahlung absorbieren. Tyndall erkannte, dass diese Gase wie eine Decke wirken, die die Wärme der Erde zurückhält. Ohne diese Gase würde die Erde in der Kälte des Weltraums gefrieren. Damit war der physikalische Grundstein für das Verständnis des Treibhauseffekts gelegt.
2. Die erste Berechnung: Svante Arrhenius (1896)
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts ging der schwedische Nobelpreisträger Svante Arrhenius einen Schritt weiter. Er wollte wissen, wie stark sich die Temperatur verändern würde, wenn wir die CO2-Menge in der Atmosphäre verdoppeln. Nach mühsamen Berechnungen kam er zu dem Schluss, dass dies die globale Temperatur um etwa 4 bis 6 Grad Celsius erhöhen würde.
Interessanterweise sah Arrhenius die Erwärmung damals eher positiv – er hoffte, dass mildere Winter die Landwirtschaft in seinem Heimatland Schweden fördern würden. Er ahnte jedoch nicht, in welchem gewaltigen Ausmaß die industrielle Revolution die Verbrennung von Kohle vorantreiben würde.
3. Der unterschätzte Beweis: Guy Callendar (1938)
Im Jahr 1938 sammelte der britische Ingenieur Guy Callendar Temperaturdaten von 147 Wetterstationen weltweit. Er war der Erste, der bewies, dass sich die Erde tatsächlich bereits erwärmte. Er verknüpfte diesen Anstieg direkt mit den CO2-Emissionen aus der Industrie. Doch die wissenschaftliche Gemeinschaft seiner Zeit blieb skeptisch. Man glaubte fälschlicherweise, dass die Ozeane alles überschüssige CO2 einfach schlucken würden.
4. Das Ende des Mythos der Ozean-Absorption
In den 1950er Jahren widerlegten Roger Revelle und Hans Suess die Annahme, dass die Ozeane uns vor dem CO2-Anstieg retten könnten. Sie zeigten, dass die Meeresoberfläche nur eine begrenzte Menge an Gas aufnehmen kann und ein Großteil des menschengemachten CO2 in der Atmosphäre verbleibt. Revelle beschrieb dieses globale Experiment treffend als "ein großangelegtes geophysikalisches Experiment, das nur einmal in der Geschichte stattfinden kann".
Dies führte zur Errichtung des Observatoriums auf dem Mauna Loa in Hawaii. Dort begann Charles David Keeling 1958 mit der präzisen Messung des atmosphärischen CO2. Die daraus resultierende "Keeling-Kurve" ist heute eines der wichtigsten wissenschaftlichen Dokumente der Menschheit, da sie den unaufhaltsamen Anstieg des Treibhausgases schwarz auf weiß dokumentiert.
5. Der Wendepunkt: Die 1980er Jahre
Warum dauerte es bis zum Ende der 1980er Jahre, bis das Thema die Weltpolitik erreichte? Zwischen 1940 und 1970 gab es eine leichte Abkühlung, was viele Forscher glauben ließ, wir stünden vor einer neuen Eiszeit. Doch ab 1980 stiegen die Temperaturen rasant an.
Der entscheidende Moment war die Anhörung von Jim Hansen vor dem US-Senat im Jahr 1988. Er erklärte mit großer Sicherheit: "Der Treibhauseffekt wurde entdeckt und er verändert jetzt unser Klima." Im selben Jahr wurde der Weltklimarat (IPCC) gegründet, um Politikern eine solide wissenschaftliche Basis für Entscheidungen zu liefern.
Fazit: Eine Warnung, die ignoriert wurde
Die Geschichte des Klimawandels zeigt uns, dass die Wissenschaft schon sehr früh Bescheid wusste. Von den ersten Experimenten im viktorianischen Zeitalter bis zu den komplexen Computermodellen von heute ist die Botschaft gleich geblieben: Unser Handeln verändert die Atmosphäre der Erde.
Heute diskutieren wir nicht mehr darüber, ob der Klimawandel stattfindet, sondern wie schnell wir reagieren müssen. In unserem nächsten Artikel werden wir uns die handfesten Beweise ansehen, die zeigen, dass der Klimawandel kein Zukunftsszenario, sondern bereits bittere Realität ist.
